Selbstverständnis

Das Petra Pan Projekt ist ein selbstorganisiertes, queer-/ feministisches Kollektiv von trans*inter*frauen*Personen¹ (TIF*), die aus verschiedenartigen, z.T. linken, Zusammenhängen kommen. Uns ist es wichtig, unsere Entscheidungen und Handlungen am Konsensprinzip zu orientieren.
Das Projekt hat das Ziel, einen Freiraum für TIF*Personen zu schaffen, da diese in der patriarchalen Gesellschaft zu den strukturell Benachteiligten gehören. Diese Plattform soll die Selbstermächtigung, Vernetzung, Artikulation und Organisierung von TIF* ermöglichen.
Wir hoffen und wünschen uns, dass die aus einem geschlossenen Raum gewonnenen Erfahrungen, Fähigkeiten und das gestärkte Selbstbewusstsein auch nach außen getragen werden. 
Es geht darum, in und um Regensburg queer-/ feministische Themen in den politischen Diskurs einzubringen und eine Position zu schaffen, von der aus TIF* ihre Anliegen und Standpunkte selbst vertreten.
Wir wollen eine Basis schaffen für Emanzipation und das Auflösen von binären und einengenden Geschlechterrollen und Herrschaftsverhältnissen. Problematiken in Bezug auf Geschlechterverhältnisse zu thematisieren steht dabei nicht im Widerspruch zu der Annahme, dass Geschlecht konstruiert ist, also durch wechselseitige gesellschaftliche Praktiken hergestellt und aufrechterhalten wird. Eine ungleiche Behandlung in der Gesellschaft ist dennoch die gängige Praxis.
Wir versuchen, unsere Privilegien, die sich aus der Überschneidung vielfältiger struktureller Diskriminierungen und strukureller Privilegierungen ergeben (race, class, gender, body etc.), kritisch zu reflektieren und wollen Formen der Diskriminierung und Machtverhältnisse aufdecken, abbauen und bekämpfen. Dies schließt die Arbeit an jeglichen Unterdrückungsmechanismen, unter anderem auch durch subtile Ausschlüsse, z.B. Wissenshierarchien, mit ein.
Unser Selbstverständnis ist kein abgeschlossenes Manifest, sondern ein Versuch, unsere (sich entwickelnden) Anliegen darzustellen. Es ist in einen beständigen, kritikoffenen Entwicklungsprozess eingebunden.
WAS SAFE SPACE/ TIF*ONLY BEDEUTET ||| MONATLICHES TIF*-CAFÉ
Das Petra Pan Projekt hat sich für eine Organisation ohne Cis-Männer² entschieden. Mit dem TIF*-Café soll ein politischer und sozialer Freiraum ausschließlich für TIF*, also trans*inter*frauen*Personen, geschaffen werden. Damit wollen wir dem strukturellen Problem cis-männlicher Dominanz – auch in autonomen Kreisen – entgegenwirken.
Wir verstehen (sozialen) Raum als emanzipatorische Ressource, die Personen zur Verfügung gestellt werden soll, um Vernetzung, Austausch sowie die Planung und Verwirklichung von Projekten zu ermöglichen. Weitgehend sichere Räume sind die Basis der Selbstermächtigung. In Räumen, die nur für TIF* zugänglich sind, ist die Hemmschwelle, sich in Bereichen auszuprobieren, die sonst zum großen Teil von Cis-Männern dominiert werden, für viele deutlich geringer. Daher können Cis-Männer den Aufbau solcher Strukturen unterstützen, aber nicht Teil dieser sein.
Ist das nicht separatistisch und „männerdiskriminierend“?
Dass es sich um eine ausschließende Maßnahme handelt, ist uns bewusst. Sie ist allerdings auch notwendig. Natürlich wäre es schöner, wenn es den Schutzraum nicht geben müsste, weil es keinen Sexismus gäbe.
Leider ist das derzeit allerdings keine Realität und dieser Missstand soll nicht ignoriert werden. Für die durch Cis-/ Sexismus marginalisierten Gruppen (wie TIF* Personen) ist es daher notwendig, einen eigenständig organisierten Raum zur Vernetzung zu schaffen.
Obwohl wir Cis-Männer aus manchen Bereichen explizit ausschließen, glauben wir, dass sie eine pro-feministische Praxis leben können, wenn sie sich mit ihrem eigenen Rollenverhalten und Verantwortlichkeiten auseinandersetzen. Darin besteht die Solidarität, die Cis-Männer uns entgegenbringen können. Wir begrüßen es, wenn sich Cis-Männer pro-feministisch positionieren und engagieren. Viele zukünftige Projekte werden Cis-Männern eine aktive Teilnahme und Unterstützung ermöglichen, was wir auch ausdrücklich begrüßen. Die Organisation(sgruppe) und das monatliche Café sind allerdings aus oben genannten Gründen für TIF* only.
¹TIF*: Eine Begriffswahl ist schwierig, wir haben uns als Oberbegriff für trans*inter*frauen*Personen entschieden. Gemeint sind hier alle, die sich nicht als Cis-Männer² verstehen.
²Cis-Männer sind Männer, die als Mann geboren wurden und auch als Mann leben. Allgemein identifizieren sich Cis-Menschen weitestgehend mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht. „Cis“ wird häufig als Gegenteil zu „Trans“ verwendet. Mit dieser Verwendung wird die konstruierte Norm explizit benannt, sichtbar gemacht und entblößt.